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Nur wenige Tage nach dem Release ihres neuen Albums „Unlimited Love“ kann man getrost feststellen – die Band ist kreativ aufgeblüht und hat mit ihrem ersten Album seit dem 2016er-Werk „The Getaway“ für Hysterie und Begeisterung gesorgt. Das liegt sicher auch an der Rückkehr des verlorenen Sohnes: Gitarrist John Frusciante, einer der besten seiner Zunft, beschloss nach über zehn Jahren in den Schoß der Band zurückzukehren. Frusciante wurde mit der kreativen und kommerziellen Hochphase der RHCP verbunden, und auch wenn sein Nachfolger Josh Klinghoffer einen guten Job machte, war für die meisten Fans klar: Niemand kann diese mal psychedelischen, mal sägenden, mal seufzenden Gitarrenmelodien besser spielen als Frusciante. Damit hatten die RHCP die Besetzung, die sie haben sollten: Frontmann, Sänger und für immer junger Surfboy Anthony Kiedis, der vielleicht größte Rockstar unter den Bass-Spielern Flea und Kraftmaschine Chad Smith an den Drums, der Songs wie „These Are The Ways“ den richtigen Punch gibt und eben Frusciante.

Man hört diesem und allen anderen Songs der Platte an: Die Red Hot Chili Peppers haben wieder Spaß an ihrer Musik. Und einen Arsch voll Ideen. Dabei ließen sie es zuerst ganz langsam angehen. Flea verriet dem deutschen „Rolling Stone“-Magazin kürzlich: „Wir nahmen uns einfach die Zeit zum Jammen. Nicht als Mittel zum Zweck, sondern einfach zum Jammen. Ich glaube, sobald man sich in den Kopf setzt, dass man etwas Großartiges erreichen will, verdirbt das den Prozess.“ Kultproduzent Rick Rubin half schließlich dabei, diesen Prozess mit der richtigen Energie einzufangen. Er ist ein guter Freund von Kiedis. Die beiden Leben einen Teil des Jahres auf Hawaii und nahmen dort – ohne die Band – ganz in Ruhe Kiedis‘ Gesangsparts auf. „Rick hat ein nettes, bescheidenes, aber effizientes Garagenstudio. Am Tag nach unserer Ankunft wurde die Insel für Besucher von außen gesperrt, wegen der Pandemie“, erzählte Kiedis dem „Rolling Stone“. Er nutzte die Ruhe und die Zeit, um sich eingehend mit den Lyrics zu befassen: „So wurde es eine Reise in die Vergangenheit, ohne Lärm, ohne Ablenkung. Ein halbes Jahr hatte ich nichts anders zu tun, als Texte zu schreiben und Noten zu singen.“

An dieser Stelle kann man der Pandemie also auch mal dankbar sein. Die Chili Peppers sind jedenfalls mit voller Wucht zurückgekehrt und laufen sich bereits warm für ihre große Stadion-Welttournee, die diesen Sommer starten wird. Da teilen sie dann, sehr generös und unglaublich gut kuratiert, ihre Bühne mit Acts, die fast schon in der gleichen Liga spielen. In Deutschland zum Beispiel mit US-Rap-Star A$AP Rocky und dem geradezu kultisch verehrten Musiker und Produzenten Thundercat.